Archiv für Mai, 2010

82 Millionen Bundestrainer leben in Deutschland. Ja, richtig, 82 Millionen Bundestrainer. Zumindest gefühlt. Denn in den letzten Wochen und Monaten vor der WM ist ein besonderes Phänomen zu beobachten: Das der hingebungsvollen Besserwisserei in Sachen Nationalmannschaft. Viele Fußballfans winken mittlerweile nur noch ab, wenn es um die Erfolgschancen des DFB in Südafrika geht. Frings nicht dabei, Kuranyi zuhause gelassen, Hummels nicht nominiert. Dafür Spieler wie Beck oder Friedrich im Kader. Zugegeben, über die ein oder andere Personalie kann man sich streiten. Doch die Art und Weise, in der Joachim Löw und sein Team mittlerweile nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand in den Fan-Foren im Internet angegangen werden, ist ob der Euphorie bei der letzten WM (und EM!) erstaunlich. Die Fahnen werden praktisch schon eingerollt, bevor der Ball zum ersten Mal rollt. Das ist nicht nur feige, sondern umso erstaunlicher, alsdass diese Leute bei einem eventuellen Erfolg unseres Teams am lautesten auf den Fanmeilen jubeln werden. Ein bisschen mehr Lockerheit täte dem deutschen Fußball-Michel auf jeden Fall gut. Damit lässt es sich dann auch mit reinerem Gewissen zu gegebener Zeit jubeln.

Lange haftete dem VfL Bochum das Image der typischen Fahrstuhlmannschaft an. In den letzten Jahren konnten die Ruhrpott-Kicker erfolgreich gegen ihren Ruf ankämpfen, bis es sie in dieser Saison wieder ins Unterhaus verschlug. Etwas länger nicht mehr in der Beletage des deutschen Fußballs dabei ist eine ganz andere Fahrstuhlmannschaft. Der 1. FC Saarbrücken gastierte zuletzt 1992/93 unter dem aus verschiedenen Gründen legendären Peter Neururer in der Bundesliga. Man stieg jedoch direkt ab und musste sich 1995 auch noch mit dem Lizenzentzug in der Zweiten Liga abfinden. Fünf Jahre später ging es nochmal hoch in Liga zwei, es folgte ein auf und ab zwischen Zweiter Liga und Regionalliga. Doch was die Kicker von der Saar in den letzten fünf Jahren fabrizierten, spannte deren Fans erst so richtig auf die Folter. Ab dem Jahr 2006 stieg der FCS drei mal in Folge ab – von der Zweiten Liga in die Oberliga. Dann besann man sich eines besseren und stieg prompt zwei mal wieder auf. In der neuen Drittliga-Saison geht es nun wieder gegen namhafte Gegner wie Eintracht Braunschweig, Dynamo Dresden und die frisch abgestiegenen Rostocker. Und wer weiß: vielleicht schaffen die Blau-Schwarzen ja den dritten Aufstieg in Folge. Dieser Fahrstuhlmannschaft wäre es zuzutrauen.

Jogi Löw und Andreas Köpke überbrachten die Nachricht heute gewohnt ernst blickend: Philipp Lahm wird bei der WM in Südafrika der Kapitän der deutschen Elf sein. Damit befindet sich der 26-Jährige in illustrer Gesellschaft von Legenden wie Franz Beckenbauer, Uwe Seeler und dem großen Fritz Walter.

Interessant: Die Personalie Michael Ballack spielt auf einmal keine große Rolle mehr in den Medien. “Die Wade” oder vielmehr “Das Sprunggelenk der Nation” wird sicher würdig von Lahm vertreten. Wir erinnern uns gerne an das Eröffnungsspiel Deutschlands gegen Costa Rica vor vier Jahren, als Lahm unnachahmlich nach innen zog und den Ball schon nach sechs Minuten im langen Eck versenkte. Auch bei der EM 2008 glänzte Lahm im Halbfinale gegen die Türken, als er kurz vor Spielende seinen Schnitzer beim Ausgleich ausbügelte und nach schönem Doppelpass mit dem mittlerweile ausgebooteten Hitzlsperger den 3:2 Siegtreffer markierte. Die Entscheidung für Lahm beruht also nicht nur auf seiner souveränen und freundlichen Art, sondern auch auf dem durch die konstanten Leistungen und die wichtigen Treffer gewonnenen Standing im Team.

Die BILD-Zeitung wusste schon gestern nicht nur von der Nominierung Lahms, sondern auch von der Lösung der Torwartfrage: Manuel Neuer vom FC Schalke 04 wird in Südafrika zwischen den Pfosten stehen. Der 24-Jährige Ur-Schalker (spielt seit 1991 im Verein) hat sich gegen den vielleicht etwas zu laut tönenden Tim Wiese von Werder Bremen durchgesetzt. Altstar Hans-Jörg Butt wird sich als Nummer drei zu Wiese auf die Bank gesellen.

Man kann also schon jetzt, zwei Wochen vor der WM, von einem Generationswechsel bei der Nationalelf sprechen. Denn mit Schweinsteiger wurde ein zwar gestandener, aber noch lange nicht zum alten Eisen gehörender Spieler als Vize-Kapitän bestimmt. “Schweini” erhielt den Vorzug vor Miro Klose, der dennoch im nächsten Vorbereitungsspiel gegen Ungarn die Binde tragen wird. Schweinsteiger wird nach dem Champions League Finale eine Chance zur Regenerierung erhalten. Die haben er und das Team auch nötig, denn in wenigen Tagen geht es auf nach Südafrika.

Eigentlich dreht es sich ja die ganze Zeit, aber nach Saisonabschluss ist es besonders aktiv: das Trainerkarussel. In der zweiten Bundesliga gibt es schon die ersten Neuerungen zu vermelden, von denen sich die Teams für die neue Saison Erfolg versprechen. Hertha BSC und der VfL Bochum erwarten von Ihren neuen Trainern sogar den direkten Wiederaufstieg in die erste Bundesliga.

In Berlin sind sich alle einig, dass sie die zweite Liga nach der Saison 2010/11 sofort wieder verlassen möchten und zwar als Aufsteiger. Kapitän und Nationalspieler Arne Friedrich erklärte dazu: “Berlin als Hauptstadt muss erstklassig sein. Das hat der Verein nicht verdient.” (Spiegel Online) Der Wiederaufstieg ist zwar nicht ausgeschlossen, jedoch spricht die Statistik gegen Berlin: Die Hertha brauchte nach den Abstiegen 1983 und 1991 sieben bzw. sechs Jahre für die Rückkehr in die erste Liga. Spätestens seit der vergangenen Saison weiß jedoch ganz Deutschland, dass die Hertha zwar häufig Spiele verliert, nie aber die Hoffnung. Bis zum sprichwörtlich letzten Strohhalm glaubten Verein und Fans an den Klassenerhalt, den Realisten schon wesentlich früher ausgeschlossen hatten. Mit eben dieser Hoffnung geht Hertha BSC in die kommende Saison. Mit der Verpflichtung von Markus Babbel soll der Wiederaufstieg realisiert werden. Und der scheint daran zu glauben und tut schon jetzt sein Möglichstes. Weiter lesen »

Die Entscheidung wurde sehr schnell gefällt. Schon einen Tag nach den Krawallen der Rostocker Fans beim Spiel in Düsseldorf wurden die Sanktionen öffentlich. Hansa Rostock muss das Hinspiel der Relegation am kommenden Freitag in Ingolstadt ohne eigene Fans bestreiten. Die dadurch ausbleibenden Einnahmen der Ingolstädter muss Hansa Rostock dem Gastgeberverein ersetzen, die Höhe der Schadenersatzforderung beläuft sich auf das Kartenkontingent der Gästefans. Zudem muss der Verein eine Geldstrafe in Höhe von ca. 35.000 Euro zahlen. Das befürchtete “Geisterspiel” vor leeren Rängen im Rostocker Ostseestadion bleibt aber zum Glück aus. Hansa Rostock hat den Maßnahmen bereits zugestimmt, das Urteil des DFB-Sportgerichts ist somit rechtskräftig. Auf einer Pressekonferenz entschuldigte sich Hansas Vorstandschef Jörg Hempel bei der Fortuna, der Stadt Düsseldorf und den allen, die von den randalierenden Rostocker Anhängern verletzt wurden. Gleichzeitig kündigte er härtere Maßnahmen gegen die Krawallmacher an, die Zeit der “Kommunikation” sei nun vorbei. Weiter lesen »

Im Vergleich zu Liga 1 und 2 war es in der dritten am letzten Spieltag nochmal richtig spannend. Während Bayern München als Meister feststand und es auch keine Zweifel am Aufstieg von Kaiserslautern und St. Pauli gab, kämpften in der dritten Liga drei Teams um den Einzug in die nächst höhere Spielklasse. Einzig Erzgebirge Aue hatte einen sicheren Vorsprung von 2 Punkten und musste sich selbst um den Relegationsplatz keine Sorgen mehr machen. Da die Veilchen gegen die Werder Amateure auswärts 2:1 verloren und Osnabrück in Burghausen drei Punkte holen konnte, schafften es die Niedersachsen auf den ersten Tabellenplatz. Damit gehören sie zu den erfolgreichen Teams, die nach einem Abstieg sofort den Wiederaufstieg feiern können. Ebenso könnte es dem FC Ingolstadt ergehen, der als Tabellendritter in der Relegation gegen Rostock antreten muss. Weiter lesen »

Eine Chance hatten die Bochumer. Genutzt wurde sie nicht. Im letzten Spiel der Saison entschied Hannover 96 die Partie schon zur Halbzeit. Den Toren von Bruggink (9. Minute), Hanke (23.) und Pinto (45.) wussten die Westfalen nichts entgegenzusetzen. Es fehlten ein Konzept, vielleicht auch Hoffnung und ganz sicher die nötige Leidenschaft. Der VfL Bochum steigt zum 6. Mal in die zweite Bundesliga ab. Konkurrent Nürnberg rettete sich mit dem 1:0 Sieg gegen Köln auf den Relegationsplatz.

Die Bochumer Anhänger ließen ihrem Frust und der angestauten Wut nach dem Abpfiff freien Lauf. Zahlreiche Gegenstände flogen von den Rängen auf das Spielfeld. Unter Anderem auch ein Plastikstuhl, der einen Ordner verletzte. Einigen Randalierern gelang es sogar, auf den Rasen zu stürmen. Weiter lesen »

Der Aufsteig von Kaiserslautern und St. Pauli in die erste Liga überraschte am gestrigen Sonntag niemanden mehr. Spannend war eigentlich nur noch, ob Rostock oder der FSV Frankfurt den sicheren Klassenerhalt schaffen würde. Hansa hatte dabei die schlechteren Chancen und unterlag (erwartungsgemäß?) den heimstarken Düsseldorfern 3:1. Die Hessen spielten gegen Absteiger Koblenz zwar nur unentschieden, punktetechnisch reichte es trotzdem für den sicheren Platz 15.

Hansa Rostock tritt am kommenden Freitag im Relegationsspiel gegen den FC Ingolstadt an, das Rückspiel findet am Montag darauf im Ostseestadion statt, möglicherweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nach den schweren Ausschreitungen beim Spiel gegen die Fortuna, das kurz vorm Abbruch stand, drohen Hansa Rostock harte Strafen. “Dafür muss man sich schämen, das macht den Fußball kaputt”, sagte Kapitän Tim Sebastian nach der Partie. Weiter lesen »

Heute Mittag gab Bundestrainer Jogi Löw den vorläufigen Kader für die WM 2010 in Südafrika bekannt. Dabei gab es wenige Überraschungen. Schon gestern kursierte die Meldung, dass Bayerns Stammkeeper Hans Jörg Butt die Nationalelf bei der WM als dritter Torwart unterstützen soll. Offen bleibt jedoch weiterhin, wer als Nummer 1 im Kasten stehen wird, Tim Wiese oder Manuel Neuer. Darüber hinaus können wir gespannt sein, wer das Team am Ende wieder verlassen muss. Der erweiterte Kader wird vor der WM noch um vier Spieler reduziert. Weiter lesen »

Seit der FIFA Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland ist der Begriff “Public Viewing” allseits bekannt. Sicher, auch schon früher wurden TV-Großereignisse öffentlich übertragen, Kneipen und Biergärten zeigten bspw. schon die WM in Japan und Südkorea 2002 einem großen Publikum. Allerdings waren es damals hauptsächlich manifeste Fußballfans, die sich die Partien außerhalb ihres eigenen Wohnzimmers ansahen. Seit der WM 2006 aber, ist das öffentliche Mitfiebern tausender Menschen überall verbreitet. Das Organisationskomitee (OK) der FIFA entwickelte die Idee der öffetnlichen Übertragung aller Partien hauptsächlich aufgrund der immensen Nachfrage nach Eintrittskarten und dem unbedingten Willen derer, die keine Tickets ergattern konnten, die Spiele trotzdem in Stadionatmosphäre erleben zu können. Wir alle erinnern uns an die “Fanmeile” in der Straße des 17. Juni in Berlin, wo bis zu 1 Millionen Menschen die Fußballspiele verfolgten. Kritiker bemerken nicht zu unrecht, dass es bei diesen öffentlichen Großveranstaltungen kaum noch um den Fußballsport zu gehen scheint. Vielmehr erinnerten “Fanmeilen” an Events wie die Love Parade oder ähnliches. Das “Sehen und Gesehen werden”, schwarz-rot-goldener Patriotismus und der übermäßige Konsum von Bier, Alkopops und Sangria scheinen wichtiger als schnelle Pässe, schöne Tore, fiese Fouls und falsche Abseitsentscheidungen. Wer am Ende gewonnen hat, weiß ja kaum einer, es sei denn “wir waren’s… …aber gegen wen nochmal?!” Diese Einwände sind sicher nicht unberechtigt. In diesem Jahr gilt also: Meiden wir die Fanmeilen und Party-Viewings, überlassen wir diese Orte ruhig denen, die nicht verstanden haben, dass es hier um den (wahrscheinlich) schönsten Sport der Welt geht! Um trotzdem nicht auf das öffentliche Mitfiebern inmitten vieler Gleichgesinnter verzichten zu müssen, braucht es Alternativen. Das Magazin für Fußballkultur, 11 Freunde, wird in diesem Sommer alle Spiele live übertragen und in vielen Städten Deutschlands die wahren Fans des Fußballfests versammeln. Von Berlin bis Wuppertal wird in 15 Städten das “11 Freunde WM-Quartier” errichtet… Weiter lesen »